Juli 25, 2019 Weiterlesen ... →

Transportproblem „Heimbeatmung“

Der Transport eines heimbeatmeten Menschen im Rettungswagen stellt bundesweit eine Herausforderung für alle Beteiligten dar. Problematisch ist dabei meist die mangelnde, aber erforderliche Geräteeinweisung der Rettungsdienstmitarbeiter und begleitenden Ärzte. Bayern geht hier seit einiger Zeit einen eigenen Weg; bei notwendigen Fahrten werden examinierte Pflegefachkräfte eingesetzt. Die Kosten für diese speziellen Transportbegleitungen werden auch von den Krankenkassen übernommen.
Genau dieses Vorgehen könnte sich aber nun nach Einschätzung des IPV ändern. Künftig sollen nicht nur Heimbeatmungspatienten, sondern auch spontanatmende, tracheotomierte Betroffene ärztlich im Rettungswagen begleitet werden. Allein der Ärztmangel wird hier in der praktischen Handhabung zu Hindernissen führen. Nach Recherchen des „ambulanten Intensivpflegeverband Deutschland e.V.“ (IPV e.V.) wirft der Krankentransport gerade bei diesen Betroffenen besondere Probleme auf, dass in einem voraussichtlich erforderlichen Absaugen begründet liegt. Das Absaugen selbst ist eine Heilkundemaßnahme, die einer ärztlichen Delegation bedarf. Grundsätzlich kann diese vom behandelnden Arzt ausgesprochen werden, in diesem Fall tritt aber eine sogenannte Übertragungsverantwortung ein. Das nichtärztliche Personal im Krankenwagen müsste also die Delegation annehmen. Hier beißt sich nun die Katze in den Schwanz: In der Delegation von heilkundlichen Maßnahmen durch den Rettungsdienst ist das Absaugen eines Tracheostomapatienten tatsächlich nicht enthalten. Selbst wenn der Sanitäter durch Fortbildung das Absaugen eines Tracheostomas durchführen könnte – gesetzlich möglich ist es nicht.
Die Transporte von Patienten mit nicht vorhersehbaren Absaugvorgängen machen jedoch den Großteil aller Transporte aus. Der Einsatz von Pflegefachkräften aus der individuellen Patientenversorgung wird hier nicht der Weisheit letzter Schluss sein: „Nebst der ungeklärten Frage nach der Refinanzierung für die Intensivpflegedienste, stellt dies auch ein großes logistisches Problem im Bereich der Personalgestellung dar. Denn, auch bei begleiteten Patiententransporten müssen die Pflegefachkraftschlüssel in den ambulant betreuten Wohngemeinschaften eingehalten werden, da sonst die Gefahr von Rückzahlungsforderungen seitens der Krankenkassen für die Pflegedienste besteht“, so IPV Präsident Stephan Kroneder.
www.ipv-deutschland.de/

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