Dezember 2, 2019 Weiterlesen ... →

ZBI Hamburg stellt Insolvenzantrag

Das Zentrum für Beatmung und Intensivpflege Hamburg-Eilbek, welches seit 2015 die außerklinische Beatmungs- und Intensivpflegelandschaft in Hamburg ergänzt, musste am 26. September 2019 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag stellen. Gravierende Baumängel am neuerrichteten Zentrum, gescheiterte Verhandlungen mit den Kostenträgern und Rückforderungen von HEK und TK besiegeln das Ende des ZBI Hamburg Eilbek. Die ZBI Gruppe äußerte sich heute dazu:

Die ZBI Gruppe, Anbieter ambulanter und vollstationärer Einrichtungen für außerklinische Intensivpflege in Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen, ist vorläufig mit ihrem Hamburger Projekt in unmittelbarer Nähe zur Schön-Klinik Hamburg Eilbek gescheitert.

Erst im Jahr 2015 wurde das ZBI Hamburg Eilbek als zweiter Standort der ZBI Gruppe feierlich eröffnet und bietet Betroffenen mit außerklinischem Intensivpflege- und Beatmungsbedarf eine adäquate fachpflegerische Versorgung auf höchstem Niveau. Hierfür wurde ein eigens nach den Wünschen der ZBI Gruppe konzipiertes Gebäude errichtet, das neben den idealen Versorgungsbedingungen für Betroffene auch die nötigen technischen Rahmenbedingungen und Ausstattungsdetails für die außerklinische Versorgung bieten sollte. Dies ist leider nur bedingt gelungen. Denn Errichter und Eigentümer haben nicht das geliefert, was man eigentlich von einem Neubau dieser Art hätte erwarten dürfen. Denn immerhin bietet das Zentrum die für das ZBI typischen Ausstattungsdetails mit zentraler Sauerstoffversorgung, zentralem Notstromaggregat, Masimo-Monitoring, Therapiebädern und Therapieräumen, zentralem Patientenruf, modernen Pflegebetten u.v.m.

Eine maßgebliche Ursache für die Insolvenz sind schwerwiegende Baumängel und Schäden an besagtem Gebäude, die bereits sehr früh zu Tage getreten sind und ihren Höhepunkt in einem kapitalen Wasserschaden im Frühjahr 2018 fanden. Obgleich das Gebäude erst vor 5 Jahren errichtet wurde, traten doch von Beginn an eine Vielzahl von Mängeln auf, welche die Nutzung der bestehenden Versorgungskapazitäten stark eingeschränkt haben. Von den für den Betrieb zur Verfügung stehenden Flächen konnten aufgrund der Schäden in den vergangenen Jahren zum Teil nur rund 40 % aktiv genutzt werden. Obwohl Errichter und Eigentümer zügige Maßnahmen zur Beseitigung der Mängel und Schäden angekündigt hatten, ist in den letzten 1,5 Jahren kaum etwas unternommen worden. Seit mehr als einem Jahr wartet die ZBI Gruppe in Hamburg auf ein schlüssiges Sanierungskonzept. Bisher vergeblich.

Trotz zeitweiser Sperrung ganzer Etagen, behördlich angeordnetem Aufnahmestopp, schwieriger Arbeits- und Lebensbedingungen für Mitarbeiter und Bewohner sowie enormer Verluste hat die ZBI Gruppe lange den Versuch unternommen den Betrieb aufrechtzuerhalten. Doch Ende September war es nicht mehr möglich, diese enormen Einschränkungen allein zu kompensieren.

Und als ob dies allein nicht schon genügen sollte, kamen zu den bautechnischen Problemen am Ende auch noch Probleme mit den Kostenträgern hinzu. Das ZBI Hamburg war bis zum März 2019 einer der letzten Anbieter vollstationärer Intensivpflege im Raum Hamburg. Doch die Kostenträger, insbesondere die Ersatzkassen, machten es dem ZBI nicht leicht. Beispielhaft für diese Haltung ist der Verlauf der Vergütungsverhandlungen im Jahr 2018 und 2019, welche trotz intensiver Vorbereitungen und mehrmonatiger Verhandlungen zu keinem erfolgreichen Ende geführt werden konnten. Es blieb den Gesellschaftern des Hamburger Zentrums, mit insgesamt 48 vollstationären Plätzen, nach ergebnislosen Verhandlungen nur die vollstationäre Einrichtung zu schließen und in eine ambulante Wohnform umzuwandeln. Dies ist insbesondere deshalb nicht zu verstehen, da dieser Einrichtungstyp die Idee der Stärkung vollstationärer Angebote bereits seit Jahren vorwegnahm und trotz schwierigster Rahmenbedingungen umsetzte. Das wurde leider von den Vertretern der Kostenträgerseite nicht ver­standen oder zu spät erkannt. Ein für den Standort Hamburg unglaublicher Vorgang, der auch politische Aufmerksamkeit erzeugte.

Wenn vollstationäre Einrichtungen im Sinne der Vorstellungen von Minister Spahn eine tragende Säule der Versorgung sein sollen, müssen diese bei gleichen oder höheren qualitativen Grundsätzen auch eine gleichwertige Beachtung und Finanzierung erhalten. Heute besitzen vollstationäre Fachpflegeeinrichtungen mit Schwerpunkt außerklinischer Intensivpflege, insbesondere in Hamburg, einen echten Wettbewerbsnachteil und sind so keine echte Alternative zu ambulanten Wohnformen.

Die Kostenträger haben mit dieser Politik das rasante Wachstum und die atomisierte, ambu­lante Angebotsstruktur in ihrer Entstehung gestärkt und das Schwinden vollstationärer Versorgungstrukturen, insbesondere in Hamburg, zu verantworten.

Das häufig geäußerte Angebot an die Kostenträger, sich die Gegebenheiten vor Ort einmal persönlich anzusehen und sich von der fachpflegerischen Leistungsfähigkeit vollstationärer Einrichtungen zu überzeugen, wurde auch im ZBI Hamburg nur selten wahrgenommen. Dr. Wolfgang Kalkhof, Gründer der ZBI Gruppe, traf hierzu eine Aussage, welche die Tragik der Situation treffender kaum beschreiben könnte: „Sie beerdigen hier ein Projekt, dass Sie noch nie gesehen haben.“

Wie es für das ZBI in Hamburg weitergeht wird noch im Jahr 2019 von den Gesellschaftern entschieden. In Zusammenarbeit mit Insolvenzberatern und einem erfahrenen Sachwalter versucht die ZBI Gruppe in Eigenregie das ZBI Hamburg mit seinen 60 Mitarbeitern und aktuell noch 16 Bewohnern operativ zu stabilisieren. Ob dies gelingt bleibt abzuwarten.

Veröffentlicht in: News2