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„Der schwierigste Teil, mit Amyotropher Lateralsklerose zu leben, war meine Sprache zu verlieren. Ich hatte das Gefühl, meine Identität verloren zu haben.“ Mit diesen Worten beschreibt Sarah Ezekiel, was der Verlust ihrer Sprache und Stimme für sie bedeutete. Die britische Künstlerin lebt seit über 25 Jahren mit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), einer fortschreitenden neurologischen Erkrankung. Sie kommuniziert seit Langem mit Hilfen aus dem Bereich der Unterstützten Kommunikation. Doch seit Kurzem spricht sie wieder mit ihrer eigenen Stimme – dank KI.
Kommunikation mit Augensteuerung
Sarah nutzt das Kommunikationsgerät Grid Pad 13 mit Augensteuerung. Eine Kamera erfasst ihre Blickbewegungen, mit denen sie Inhalte auf dem Bildschirm auswählt. Diese Form der Kommunikation ist besonders geeignet für Menschen mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten – wie sie beispielsweise bei ALS oder bei beatmeten Personen auftreten können. Die Technik ermöglicht Kommunikation ohne körperliche Anstrengung und ist individuell anpassbar. Sarah ist eine Augensteuerungskünstlerin – im wahrsten Sinne des Wortes. Seit 2012 gestaltet sie digitale Kunstwerke mit Kunstsoftware in Kombination mit Augensteuerung. Ihre Werke wurden international ausgestellt. 2023 ging ihre kreative Arbeit noch weiter: Für das Theaterstück Ms MaNDy’s Adventures in Wonderland, dass ihre Erfahrungen mit ALS verarbeitet, entwarf sie mithilfe von KI-generierter Kunst die Kostüme und nutzte ihr Grid Pad zur Regiearbeit. Das Stück verbindet Traumsequenzen, Musik und visuelle Elemente – und zeigt, wie kreativ und umfangreich Kommunikation sein kann.
Die eigene Stimme – rekonstruiert durch KI
Ein besonders emotionaler Moment in Sarahs Geschichte war die Möglichkeit, wieder mit einer Stimme zu sprechen, die wie ihre eigene klingt. Mithilfe der KI-Technologie von ElevenLabs wurde aus einem achtsekündigen VHS-Ausschnitt ein sogenannter Stimmklon erstellt – eine natürliche, persönliche Stimme, die in ihr Kommunikationsgerät integriert wurde. „Ich finde es großartig, eine Stimme zu haben, die wie ich klingt und nicht wie ein Roboter.“ Ihre Kinder konnten sich nicht mehr an ihre Stimme erinnern, weil sie damals noch zu klein waren. „Jetzt können sie wieder mich hören.“ Ihr Sohn beschreibt, wie viel ausdrucksstärker und klarer seine Mutter sich nun mitteilen kann. Die Stimme transportiert Emotionen, Nuancen – und Persönlichkeit. Für Sarah bedeutet das nicht nur mehr Ausdruckskraft, sondern auch ein Stück zurückgewonnene Identität. Es ist ein Schritt hin zu mehr Selbstbestimmung. Neben der Stimmklon-Technologie bietet die Grid-Software auch das neue KI-Tool „Fix“. Sie hilft dabei, unvollständige oder grammatikalisch fehlerhafte Sätze automatisch zu vervollständigen und zu korrigieren – basierend auf dem, was die Nutzenden sagen möchten. Diese Funktion unterstützt eine flüssigere Kommunikation und kann besonders hilfreich sein, wenn Zeitdruck besteht oder die Formulierung schwerfällt. Die Kombination aus Augensteuerung, KI-Stimme und intelligenter Software wie Grid ermöglicht nicht nur Kommunikation – sondern auch Ausdruck, Teilhabe und mehr Selbstbestimmung. Die Technologien können individuell auf die Bedürfnisse der Nutzenden abgestimmt werden. Eine Stimme, die wie die eigene klingt, ist ein Stück Identität.
Gut zu wissen
Unterstützte Kommunikation kann als Hilfsmittel beantragt werden. Bei Fragen zur Versorgung oder technischen Umsetzung steht REHAVISTA als Ansprechpartner zur Verfügung. Über das Impact Programm von ElevenLabs erhalten Nutzerinnen und Nutzer ab 18 Jahren, die mit einem Kommunikationsgerät mit Grid von REHAVISTA versorgt wurden oder werden, eine kostenfreie Lizenz zur Erstellung einer KI-Stimme. Diese Lizenz ist fünf Jahre gültig und ermöglicht die Nutzung personalisierter Stimmen direkt in der Kommunikationssoftware Grid.

